Luzifer himself

Mir war gerade aufgefallen, dass ich noch gar nicht meine guten Vorsätze für das neue Jahr gebloggt habe. Was für ein untragbarer Zustand! Wobei „Vorsätze“ auch ein etwas großes Wort für das ist, was mir vorschwebt – denn das bezieht sich eigentlich samt und sonders auf ein einziges Thema:

  1. Ich werde freiwillig keine Website mehr online stellen, die mehr als entweder einen Basis-Stylesheet (nur Farben und so) oder gänzlich ungestylten Content an den Internet Explorer 6 ausliefert.
  2. Der Fall „Unfreiwillig“ tritt nur dann ein, wenn mich zahlende Kunden mit sehr guten Argumenten (wie auch immer sowas aussehen könnte) und/oder nennenswerten Geldbeträgen traktieren.
  3. Um zu verhindern, dass der Fall „Unfreiwillig“ jemals eintritt, werde ich sämtliche zur Verfügung stehenden rhetorischen und statistischen Mittel zu Felde führen – und eben nennenswerten Geldbeträge dafür einfordern, dieses völlig unberechenbare Unternehmen IE6-Bugfix, das ja bekanntlich alles zwischen 2 Stunden und 2 Tagen in Anspruch nehmen kann, überhaupt anzugehen.

Runde Ecken und PNGs und <object> und was nicht alles, hier komme ich! In die Tonne mit dem Teil, jetzt und für immer. Ich gehe jetzt meine Windows-VM mit dem IE6 drauf löschen …

Das Typekit-Logo

Björn Seibert war so nett, mir ein Typekit-Invite zuzuschanzen, so dass ich den Hoffnungsträger in Sachen Webtypografie auch einmal ausprobieren konnte. Typekit lässt den von der Schriftarmut im WWW genervten Webdesigner ein Set aus edlen Schriften zusammenstellen, die dann mit zwei Zeilen Javascript auf der Ziel-Website eingebunden werden können. Danach genießt man dank @font-face, das viele Browser ja in der einen oder anderen Variante unterstützen, ungekannte Schriftvielfalt im Browser. So ist das jedenfalls gedacht. Mein Review in aller Kürze:

  • Der Dienst hat ein ausgesprochen angenehmes Interface, wären da nicht die Tatsache, dass der Kit Editor in einem neuen Fenster öffnet.
  • Die Schriftauswahl in der Trial-Version ist überschaubar, aber das ist vermutlich weniger ein Problem als ein Feature (die volle Auswahl kostet $49,99 im Jahr, eine erweiterte Auswahl $24,99).
  • Die Performance fand ich überraschend ok.

Das Hauptproblem ist meines Erachtens, dass man, sofern man nicht monströse Schriftgrade sportet, unter Windows an den neuen Schriften relativ wenig Freude hat, weil das Schriftrendering dort so seine eigenen Gesetze hat. Das Ganze wäre also weniger für Fließtext als für Überschriften zu gebrauchen. Und für aufgepimpte Headlines, die nicht in allen Browsern funktionieren und bei den bemitleidenswerten Windows-Nutzern wohl eher mittelprächtig aussehen $49,99 auf den Tisch legen … ich weiß nicht, ob ich Sifr, Cufon und Konsorten wirklich so schlimm finde.

Vier Invites hätte ich noch zu vergeben. Wer will?

Gestern meldete das W3C, dass seine XHTML-Arbeitsgruppe endlich der lange erwarteten Abwrackung überführt wird: XHTML 2 Working Group Expected to Stop Work End of 2009, W3C to Increase Resources on HTML 5.

Today the Director announces that when the XHTML 2 Working Group charter expires as scheduled at the end of 2009, the charter will not be renewed. By doing so, and by increasing resources in the Working Group, W3C hopes to accelerate the progress of HTML 5 and clarify W3C’s position regarding the future of HTML.

Adios XHTML2 – es war auch höchste Eisenbahn. War es doch schon länger klar, dass in einer Welt, in der noch immer ein Programm auf dem technischen Stand von 2001 wütet, revolutionäre Auswüchse nichts verloren haben. Und vor allem ist die Idee eines XML-Webs, bei dem jeder kleine Fehler gleich das Dokument unparsebar macht (richtiges XHTML vorausgesetzt, nicht die Warmduscher-Variante mit text/html als Content Type) nicht mit der Realität vereinbar. Wir paar Nerds mit unseren validen Dokumenten sind, falls das jemand vergessen haben sollte, eine Minderheit zwischen Abermillarden Myspace- und Frontpage-Seiten. Und selbst wenn man XHTML2 ein paar nette Ideen attestieren mag, muss man einfach anerkennen, dass mit HTML5-Unterstützung in vielen Browsern bereits vor einiger Zeit Fakten geschaffen wurden.

Und so verabschieden wir uns heute endgültig von einem der größeren Irrtümer der letzten Zeit. Tschüss!

Wie wir alle leidvoller Praxis wissen, interpretiert der Internet Explorer 6 Stylesheets äußerst eigenwillig und bringt mit zerstörten Layouts und anderen jeden Tag Webworker zum Weinen. Um dieses Problem zu lösen, schlagen Leute von beachtlichem Kaliber die Benutzung von Universal Internet Explorer 6 CSS vor. Das ist eine Art Reset-Stylesheet, der Websites im IE6 auf das Nötigste reduziert. Man erhält also auf kontrollierte Art und Weise eine funktionierende Darstellung. So sähe z.B. A List Apart mit diesem Stylesheet aus:

A List Apart mit universellem IE-Stylesheet

Also ich weiß ja nicht. Für mich sieht das aus als wolle man eine defekt aussehende Seite reparieren, indem man einen defekt aussehenden Stylesheet einsetzt. Schwarz auf weiß, einspaltiges Layout, nach Browserdefault riechendes Linkstyling, Logos auf unpassendem Hintergrund … das ist ein defektes Design (jedenfalls sofern die Nicht-IE-Version der Seite nicht genau so aussieht). Auf Lischen Müller wirkt das exakt so, wie ein vom IE6 zerschossenes Layout – bei der fraglichen Seite jemand nicht in der Lage, ein halbwegs ordentliche Gestaltung abzuliefern. Unprofessionell sieht das aus, dankeschön, ich bin wieder weg und komme nie wieder.

Überhaupt ist das ganze Ansinnen an sich irgendwo zwischen Feigheit vor dem Feinde und Kapitulation einzuordnen. Man muss halt mit dem IE6 klarkommen – Pixelperfektion geht nun mal nicht und je mehr man sich dem annähren will, umso mehr Arbeit ist es. Das ist die hässliche, brutale, aber unabänderliche Wahrheit. Und die Lösung Universal Internet Explorer ist dabei nicht mehr als Selbstmord aus Angst vor dem Tode. Dann mal ehrlich, so schlimm, dass man nicht zumindest ein annähernd ähnliches Aussehen im IE hinbekommt, ist es nun wirklich nicht.

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Hinweis

Dieses Blog läuft noch bis März im Sparmodus! Alle Einzelheiten sind in diesem Posting nachzulesen.

Empfehlung des Tages

The Survey, 2009

Neue Kommentare

.christoph

hallo peter, danke für die schnelle antwort ;-) funktioniert… gibt es auf diesem gebiet neue entwicklungen css3 oder andere cross-browser solutions? beste grüße .christoph

Silke

Zitat Peter ↑: Nun, das das im Internet Explorer nun gerade mal gar nicht funktioniert, kann man das ja nicht wirklich gebrauchen. Wie du selbst in deinem nächsten Kommentar sagst...

.christoph

hallo peter, das tutorial ist zwar schon alt, aber ich habe da ne frage… wie kann ich dies als mouseover benutzen und wie schaffe ich es dass die schrift nicht...

nemoinho

Es sollte wohl “Respekt an den Autoren dieses Hacks, dessen Blogpost ich beim googlen zu einem ganz anderen Thema gefunden habe.”

Samisdat

THX für den Google Video Link! Den kannte ich noch nicht und gucke es gerade. Der Typ stottert sich zwar durch dir Präsi, aber man merkt ihm sein Wissen deutlich an. Und wissen,...